„Gott ist mehr als Himmel und Erde“

Pfarrer Ralf Krust, Hardheim zum Himmelfahrtstag
 

König Salomo betet: „Jedoch - kann Gott überhaupt auf der Erde wohnen? Ist nicht sogar der Himmel zu klein, dich zu fassen, geschweige denn dieses Haus, das ich gebaut habe?“ 1. Könige 8,22
 


Dass Gott nicht in der Kirche wohnt, zeigt sich schon an der Tatsache, dass viele Gottesdienste heute morgen im Freien gefeiert werden. Wenn wir eine Umfrage starten würden, wo Gott wohnt, dann würde mit großer Mehrheit eine Antwort herauskommen: im Himmel. Doch in der Bibel lesen wir: Gott wohnt weder im Himmel noch auf der Erde ”Gott ist mehr als Himmel und Erde”.Kirschbäume01

Wir Menschen neigen dazu, nur das zu glauben, was wir sehen. Und doch wissen wir in unserem Innersten, dass es mehr gibt als das Sichtbare um uns herum. Der christliche Glaube weiß, dass das Vorfindliche dem Willen eines Schöpfergottes entspringt, der zwar im Vorfindlichen wirkt und da ist, aber nicht in diesem aufgeht:

Gott ist mehr als Himmel und Erde.

Das wird auch in einem Lied deutlich: „Jesus Christus herrscht als König, alles wird ihm untertänig, alles legt ihm Gott zu Fuß. Aller Zunge soll bekennen, Jesus sei der Herr zu nennen, dem man Ehre geben muss.“ Gott ist da.

Weil das von vielen nicht mehr geglaubt und anerkannt wird, leben wir in einer Welt, in der wir die Aufgabe haben, Gott wieder zu Gehör zu bringen. Das sind keine großen Aktionen, nein es sind die alltäglichen Gespräche, in denen es um die Nöte und Sehnsüchte unserer Mitmenschen geht. Hier liegt die Chance, diese alltäglichen Dinge in Beziehung zu Gott zu setzen. Denn es gibt keine Situation unseres Lebens, die nicht mit ihm zu tun hat.

Gott wohnt weder im Himmel, noch auf der Erde, doch er wohnt überall.

Martin Buber erzählte folgende rabbinische Geschichte: Ein junger Mann kam zu einem Gelehrten und sagte: "Ich gebe Ihnen 100 Euro, wenn Sie mir sagen, wo Gott wohnt!" Der Gelehrte antwortete: "Und ich gebe Ihnen 200 Euro, wenn Sie mir sagen, wo er nicht wohnt!"

Auch oder gerade weil Gott überall wohnt, brauchen wir Orte, an denen wir Gott begegnen können. Orte, die dabei helfen, sind der Tempel, den Salomo mit seinem Gebet einweiht oder unsere Kirchen heute. Des Weiteren sind es auch die Veranstaltungen und Kreise unserer Gemeinde, die zu einer solchen Begegnung helfen können. Es ist die Bibel und das Gebet, die uns helfen, auf diese Begegnung vorzubereiten und auszurichten. Es sind die Predigten und Gespräche über ihn, die uns im Glauben gewiss machen und uns die Augen für sein Wirken öffnen. Ziel ist immer, dass ich eine persönliche Beziehung zu Gott finde und ihm immer wieder im Alltag begegne. Gott ist mehr als Himmel und Erde und doch kann ich ihm im Alltag begegnen, so wie es im Lied heißt:
„Fürstentümer und Gewalten, Mächte, die die Thronwacht halten, geben ihm die Herrlichkeit; alle Herrschaft dort im Himmel, hier im irdischen Getümmel ist zu seinem Dienst bereit.“

Es gibt noch weitere Hilfen, wie wir Gott erkennen und erfahren können:
Gott hat sich in Jesus Christus greifbar gemacht und festgelegt. Er hat schon damals den israelischen Königen einen ewigen König versprochen:
„Herr, du Gott Israels, ich bitte dich: Halte auch das andere Versprechen, das du meinem Vater David gegeben hast. Du sagtest zu ihm: 'Immer wird einer deiner Nachkommen König über Israel sein, solange sie mir dienen, wie du mir gedient hast.'“

Das israelische Königtum besteht nicht mehr, doch Jesus Christus hat als Sohn Davids seine Nachfolge angetreten. Er ist der himmlische König, der am Ende der Zeit unsere Welt richten wird. Himmelfahrt heißt, dass er diesen Richterplatz zur rechten Seite Gottes eingenommen hat. Jesus ist nicht mehr sichtbar unter uns, deswegen haben auch so viele Menschen mit dem heutigen Tag Probleme und haben ihn zum Vatertag umfunktioniert. Sie vergessen dabei eines:

Himmelfahrt heißt nicht, dass Jesus wieder von der Erde verschwunden ist, das ist er nur in seiner sichtbaren Gestalt. Himmelfahrt heißt, dass Jesus heute unsichtbar unter uns ist, wenn wir hier Gottesdienst feiern, wenn wir uns in seinem Namen treffen, wenn wir in der Bibel lesen und zu ihm beten.

Martin Buber erzählte eine zweite rabbinische Geschichte:
Rabbi M. war zu Gast bei gelehrten Männern. Er überraschte sie mit der Frage:                                                      "Wo wohnt Gott?" -
Sie lachten über ihn: "Was redet Ihr! Ist doch die Welt seiner Herrlichkeit voll!" Er aber beantwortete seine eigene Frage: "Gott wohnt, wo man ihn einlässt."


Heute wollen wir für unser Land bitten, dass die Menschen wieder offene Ohren bekommen, mit denen sie auf Gott hören.
Heute wollen wir zu Gott bitten, dass die Menschen wieder ein geschärftes Gewissen bekommen und auf die Gebote Gottes hören.
Heute wollen wir für unser Land bitten, dass die Menschen wieder ein Ziel bekommen, für das es sich zu leben lohnt:

                                         Das ewige Leben bei Gott.